Retrievertrainingsferien: Tag 5 oder “Der Hund, der nicht markieren kann”
Nach vier Trainingstagen waren die Hunde am fünften Tag, dem Karfreitag, schon ziemlich erschöpft.
In weiser Voraussicht hatten Norma und Cyra deshalb für den fünften Tag die Gruppen zusammen gelegt und für alle Markierungen und einen Walk-Up angesetzt: In einem ersten Training arbeiteten jeweils zwei Hunde nebeneinander in der Line von einem festen Standort aus (Einzel-)Markierungen, die Norma in einer Entfernung von ca. 30 bis 40m auf einer Wiese mit teilweise höheren Bewuchs warf. Links und rechts der Wiese befanden sich Felder, in die allerdings keine Markierungen fielen.
Für uns war es gut, dass diese Aufgabe noch einmal kam, denn mit Markierungen hatten wir in der Vergangenheit ja schon so unsere Schwierigkeiten, und auch wenn es hin und wieder ganz gut klappt, ist Markieren im Großen und Ganzen nicht Jamies Stärke, was – so weiß ich jetzt – nicht nur am Himmelhund-Problem sondern auch am Nase-Nicht-Einsetzen und Auf-Hilfe-Warten und mangelnder Konzentration und Spannung liegt.
Und so gab es zum einen die Bestätigung dafür, dass wir am Markieren ganz besonders arbeiten müssen, und zum anderen wertvolle Tipps dafür, wie das Markiertraining bei uns in nächster Zeit aufgebaut werden sollte: Mit einem werfenden Helfer, einem Hund und Hundeführer beobachtenden Helfer (wegen des Himmelhund-Problems), einem bis zu 15m großen Dummyschleppenkreis um die Fallstelle herum mit vielen kleinen Quasi-Fallstellen drin (in denen aber kein Dummy außer der Markierung mehr liegen soll) und langsam steigenden Entfernungen, angefangen mit ca. 30 bis 40m, sollte geübt werden. Fallen sollen die Markierungen auf keinen Fall in der platten Wiese, wo sie leicht sichtbar sind, sondern möglichst in einem (abgegrenzten) Gebiet, in dem die Maus die Nase einsetzen muss, um zur Markierung zu kommen, das aber andererseits auch nicht zu schwer sein darf. Geworfen werden soll ein gut sichtbares (z.B. schwarz-weißes) Dummy mit Flatterbändern. Und das alles immer schön mit Rückenwind, damit sie lernt, die Tiefe einzuschätzen.
Beim Markiertraining an Tag 5 der Retrievertrainingsferien herrschte Seitenwind – und Jamie rannte mitunter genau einen Meter (!) am Dummy vorbei, praktisch schon drüber, aber eben an der falschen Seite des Windes. Und schaute dann, nachdem sie das Dummy nicht gefunden und auch keinen Wind bekommen hatte, zwischen Norma und mir hin und her: “Helft mir!” Helfen, sagt Norma, löst das Problem nur eben leider nicht.
Ach ja, für mich gibt`s auch ein bißchen was zu beachten: Angeschaut wird die Maus auf gar keinen Fall vor dem Schicken; deshalb sollte das Training am besten mit einem weiteren Helfer stattfinden, der mir sagen kann, ob Jamie mich anhimmelt, in der Weltgeschichte herumschaut – oder, was sie ja eigentlich tun soll, konzentriert auf die Fallstelle sieht. Außerdem darf ich Jamie in Zukunft nicht mehr sofort schicken, sondern muss langsam von 25 herunter auf 21 zählen, während ich auf die Fallstelle schaue, dann die (in meinem Fall rechte, da ich mich links einweise) Hand nach vorne nehmen und ihr die Richtung vorgeben, nochmals langsam bis mindestens 3 zählen – und dann schicken. Puh.
Dafür lief Jamie brav – wenn auch sicherheitshalber mit einem deutlichen “Hier” von mir – an der von Cyra geworfenen Verleitmarkierung auf dem Rückweg vorbei! Die durfte sie dafür im Anschluß holen.
Beim anschließenden Walk-Up mit Lisa und Cooper lief Jamie dann wunderbar bei Fuß, blieb auf ein knappes Kommando (und zwei Mal sogar nur auf Geräusch) hin sitzen, wenn das Dummy flog, und war ansonsten herrlich ruhig und steady.
Jeder Hundeführer legte für seinen Hund einmal während des Walk-Ups ein Dummy im Rücken der Line in ca. 10 Meter Entfernung aus. Die Line lief danach weiter, bis die Markierung flog. Im Anschluß wurde zuerst von dem Hund, dessen Hundeführer das Dummy ausgelegt hatte, das “Voran” gearbeitet. Anschließend durfte einer der beiden anderen Hunde aus der Line die Markierung holen. Das Voran klappte hervorragend – die Markierungen warf Norma zu diesem Zeitpunkt schon extra einfach für Jamie. Und so fand sie auch die Markierungen alle.
Es war der letzte Tag und die Hunde hatten die Woche in den Knochen. Die Hundeführer auch, zumindest mir ging es jedenfalls so, und so beendeten wir das Training um 12.00 Uhr mit einer letzten “Wir löchern Norma”-Fragesession. Damit waren unsere Retrievertrainingsferien dann auch schon vorbei und wir mussten Abschied nehmen…
Es hat sooooooooo viel Spaß gemacht und nirgend sonst lernt man so viel über Dummytraining wie bei einem wirklich guten Trainer.
Danke, Norma und Cyra!




