Retrievertrainingsferien: Tag 3 oder “Jetzt wird`s knifflig”
Tag 3 der Retrievertrainingsferien zeigte Jamie und mir unsere Grenzen auf, denn jetzt wechselten die Gruppen die Trainer und wir sagten “Goodbye” zu Cyra und “Hello” zur Norma – und Norma schickte uns erneut auf verschiedenen Fixpunkte voran, allerdings in deutlich schwierigerem Gelände und über Distanzen, die für Jamie und mich bei diesem Schwierigkeitsgrad des Geländes einfach noch ein bißchen zu weit sind, und über Winkel, die für Jamie und mich bei diesen Distanzen einfach noch ein bißchen zu eng sind.
Die Aufgabe sah komplett, nach Aufbau der Fixpunkte, so aus:
Für den Anfang bezogen wir Position P1 auf einer von teilweise anspruchsvollem hohem Bewuchs bedeckten Wiese. Unterhalb der Wiese und hinter uns befand sich einige Baumreihen, über die später eine Markierung hinweg auf die darunter liegende Wiese geworfen wurde. Die Wiese, auf der wir standen, war von einer recht steilen Stufe unterbrochen, auf dem der Bewuchs sehr hoch war und zwei markante Bäume (darunter unserer Fixpunkt 1) standen. Oberhalb der Stufe befand sich eine weitere Wiese.
Zunächst wurde Fixpunkt 1 einzeln geabeitet, indem jeder Hundeführer für seinen Hund dort sichtig vier Dummies auslegte, auf die der Hund zunächst einmal vorangeschickt wurde. Die Schwierigkeit bestand hier einerseits in dem mit teilweise hohen Gräsern bewachsenen unebenen Gelände, andererseits besonders in der Stufe in der Wiese mit ihrem recht steilen, wenn auch kurzen Abhang, den die Hunde überwinden musste, um zur Fallstelle zu gelangen. Der ein oder andere Hunde neigte hier dazu, die gerade Linie zu verlassen und das Gelände zu “umlaufen”, um sich so einen passenderen Aufstieg zu suchen. Ich habe mich gefreut, dass Jamie eine sehr schöne gerade Linie lief und auch den Abhang schön gerade nahm. Sehr zielstrebig, die Kleine!
Nach dem ersten Voran durften wir die Strecke – etwa 40 Meter – halbieren. Die Hunde sollten dann mit dem Rücken zum Fixpunkt abgesetzt und zurück geschickt werden. Ich stand, da ich unseren Trainingsstand, was das Zurückschicken kenne, dicht vor Jamie beim Schicken – und so nahm Jamie das “Back” auch gut an. Das klappte also.
Anschließend wechselten wir den Standort und begaben uns auf die obere Wiese zu Fixpunkt 2 (= Position 2). Von dort aus sollte der Hund entlang der Wiesenkante auf der Stufe unter dem ersten Baum hindurch auf den Fixpunkt 1 voran geschickt werden. Schwierig war hier, die Hunde am ersten Baum vorbei zu bekommen, denn mit dem geänderten Winkel und dem Baum auf dem Weg zum Dummy sah die Sache für die Hunde schon ganz anders aus als zuvor. Nachdem der erste – sonst vom Trainingsstand her schon weiter gearbeitete – Hund am Baum “hängen” geblieben war, muss man schon besonders hervorheben, denke ich, dass die Maus an dieser Stelle gleich eine schön gerade Linie voran bis zum Fixpunkt 1 lief – lediglich der Rückweg führte sie, aus welchem Grund auch immer, über die untere Wiese, einen Weg, den irgendwie fast alle Hunde zurück nahmen.
Zuletzt wurde der Hund auf der zuletzt gearbeiteten Linie zwischen dem ersten und zweiten Baum mit dem Rücken zu Fixpunkt 1 abgesetzt. Der Hundeführer sollte zurück auf die andere Seite des Baumes gehen und von dort aus den Hund zurück auf das letzte Dummy schicken. Da Jamie das “Back” bisher nur angenommen hat, wenn ich sehr dicht vor ihr stand, war klar, dass diese Aufgabe zu schwer sein würde, also bekam sie Hilfe von Norma, die mit Geräuschen an Fixpunkt 1 Jamie zum Erfolg brachte.
Nachdem jeder Hund diese Aufgabe durchgearbeitet hatte, gab es eine Kombinationsaufgabe: Es lagen Dummies an Fixpunkt 1 aus; der Hundeführer setzte den Hund an Position P1 ab und legte sichtig ein Dummy auf Fixpunkt 2 aus. Anschließend wurde der Hund um 180° gedreht und es fiel eine Markierung über den Waldwuchs hinweg auf die darunter liegende Wiese.
Zuerst wurde das sichtig ausgelegte Dummy auf Fixpunkt 2 gearbeitet. Auf dem Rückweg fiel im Rücken des Hundes ein weiteres Dummy auf Fixpunkt 2, das der Hund nicht sah – fast schon ein richtiges Blind also. Naja, wenigstens waren alle Hunde mal dort gewesen. Jetzt war als nächstes, auf Normas Wunsch hin, noch einmal ein Voran auf Fixpunkt 1 (an dem die Hunde ja nun schon einige Male gewesen waren) zu arbeiten. Tja, und an dieser Stelle hatten die Maus und ich eine unserer Grundsatzdiskussionen. Die ging ungefähr so:
“Voran.”
Trödel. Trott. “Lalalala, ich geh`mal ein Stück. Lalala.” Schnüffel. “Bis hierin, das reicht ja wohl.”
“Argh.” Doppelpfiff. “Hier!” Und ausrichten. Und noch einmal… “Voran.”
Trödel. Trott. “Lalala. Schau mal, ein Blatt!” Schnupper, Schnüffel.
“Voran!”
“Ach weißt Du, das ist ganz schön weit bis zu dem Baum, wo die Dinger liegen. Und dann auch noch bergauf! Hol´ Dir das blöde Dummy doch selbst!”
“Was hast Du gesagt? Na warte Du, ich komm` Dir dahin!”
“Äh, ja? Pass mal auf, da leg ich mich gerade mal hin. So, schön platt auf den Boden. Und jetzt schau mal: Soooooo große Augen mache ich auch. Kannst Du mir wirklich böse sein?”
“Ja, kann ich.”
“Äh, ok, ich könnte mich noch ein bißchen tiefer ducken…”
“Ach, tu doch nicht so.”
“Na gut, man kann`s ja mal versuchen. Aber dann kann ich ja jetzt wieder aufstehen.” Wedel, wedel, grins.
Und nach einer Weile ist sie dann doch gegangen und hat das Dummy geholt. Tja, Cyra hatte ja gleich zu Beginn am Montag schon gesagt, dass der Mittwoch erfahrungsgemäß der Tag ist, an dem die Hunde plötzlich rein gar nichts mehr können. Na, ein bißchen was konnte Jamie dann doch noch, aber…
Das “Voran” auf das “fast schon richtige” Blind auf Fixpunkt 2 hat sie übrigens wiederum ganz toll gemeistert. War ja auch ´ne kurze Strecke. So was kann man auch mal an einem Mittwoch machen… Anschließend noch das Mark und dann war sie auch schon wieder erlöst.
Im Anschluß an diese Aufgabe wurden die Hunde dann von der Position P2 aus auf die beiden Fixpunkte 1 und 2 geschickt. Aufgrund des geänderten Winkels war natürlich noch einmal schwerer und so durften die Maus und ich uns etwas näher an die Dummies heran begeben. Die langen Distanzen müssen wir, das hatten wir ja schon am Montag festgestellt, noch ein bißchen üben.
Zum Abschluß begaben wir uns für einen 4er Walk-Up auf die untere Wiese hinunter:
Zunächst warf Norma Dummies in ein kleines Suchengebiet im Wald. Anschließend fand der Walk-Up in entgegengesetzte Richtung statt: Auf “Walk on!” liefen wir mit den Hunden frei – bis auf den 9 Monate alten Cooper – frei bei Fuß los, auf ein Geräusch, “Brrrr!”, von Norma hin blieben wir stehen und die Hunde setzten sich, anschließende Markierung – und dann ein Voran eines Hundes auf das Suchengebiet. Alle Hunde machten das toll und ließen sich nicht von der Markierung ablenken. Nachdem der jeweils das Voran arbeitende Hund zurück war, holte einer seiner Nachbarn die Markierung. Und schon ging`s wieder los: “Walk on!”
Bei dieser Aufgabe bewies Show-Golden-Dame Lisa, dass auch in ihr noch der Jagdhund steckt
Nr Lisa-Frauchen klang ganz am Anfang ein bißchen panisch (später dann aber doch vor allem sehr stolz), als Lisa statt des Dummies ein totes Huhn aus dem Suchengebiet apportierte; Todesursache: unbekannt. Es war schon kalt, wies keine Verletzungen auf und stellte uns irgendwie vor ein Rätsel: Wie, mein liebes Huhn, kamst Du hierher? Lisa dagegen stellte diese Frage nicht; für sie war nur klar: Das ist meins. Wehe, wenn einer der andere Hunde in die Nähe des in Normas Nähe abgelegten und von Lisa sorgsam behüteten Huhns kam. Da kannte das kleine, weiße Engelsgesicht kein Pardon und machte ihre Besitzansprüche recht lautstark deutlich.
Am Nachmittag dann:
Spießbratenessen in Idar-Oberstein und anschließende Führung durch die Felsenkirche von Idar-Oberstein. Und um 18.00 Uhr erschöpftes Ins-Hotelzimmer-Fallen. Doch, gefressen hat sie noch, die Maus. Aber dann war sie bis zum nächsten Morgen weg, im süßen Land der Träume.




