WT “Nordlichter Workingtest” – n.B.
Wir sind zurück von unserem ersten Workingtest-Start – und immer noch ganz schön geschafft. Bei insgesamt fünf Aufgaben in der Anfängerklasse haben wir uns zwei Nullrunden eingefangen. Zwei Aufgaben waren Wasseraufgaben. Zufälligerweise (
) waren die beiden Wasseraufgaben auch gleichzeitig unsere beiden Nuller – die Maus konnte beim Anblick von Wasser die richterliche Freigabe einfach nicht erwarten…
Bestehen konnten wir den Workingtest somit nicht, aber wir haben wertvolle Erfahrungen sammeln können. Und mit 17 und 19 Punkte bei den beiden letzten Aufgaben gab es auch noch einen richtig schönen Abschluss für uns.
Nach der Anmeldung um 12.00 Uhr auf Gut Ludwigsburg erfolgte um 13.15 Uhr die Einteilung in Gruppen; dann ging es zu den Aufgaben. Jamie und ich waren mit der Startnunmer 20 in Gruppe 2 eingeteilt und begannen mit der Aufgabe 2, uh, ah. Dass es sich dabei um eine Wasseraufgabe handelte, konnte man von unserer Warteposition auf dem Weg hinter einer Hecke zwar nicht sehen, musste man mir aber auch nicht sagen. Wer aus irgendeinem Grund mal herausfinden möchte, ob eine Aufgabe bei einem Workingtest eine Wasseraufgabe ist, ohne dass er sich die Aufgabe selbst ansieht, der stelle einfach nur meinen Hund in der Nähe ab… Jamie, die bei Sammeln auf dem Gutshof trotz der vielen Menschen und Hunde und der Atmosphäre ringsum noch völlig entspannt gewesen war, bekam den Duft von Wasser in die Nase und war plötzlich eine Furie an der Leine – sie kämpfte um ihr Recht, als allererste ein Dummy aus dem Wasser holen zu dürfen…
Von den zehn Gespannen in unserer Gruppe waren allerdings leider neun vor uns dran; die Aufgabe bot zudem nicht einen, nein, sie bot zwei Schüsse. Und von unserem Wartepunkt aus hatten wir auch noch einen hervorragenden, ungehinderten Blick auf die Aufgabe 3, bei der zwei Einzelmarkierungen mit Schuss flogen. Wenn Jamie nicht in Richtung Wasseraufgabe drängte, war sie sprungbereit, um die Markierungen von Aufgabe 3 jetzt schon mal zu arbeiten…
Alles Fußlaufen-Hund-Auf-Mich-Konzentrieren fruchtete wenig. Als wir endlich dran waren, stand die Prinzessin so unter Dampf, dass man befürchten musste, sie würde explodieren, wenn sie`s nicht gleich rauslassen dürfte.
So sah sie aus, die erste von uns zu bewältigende Aufgabe 2:
Man stand auf einer Wiese, die auf einer Seite von einer Hecke begrenzt wurde. Hinter sich hatte man einen Zaun, vor sich das Wasser. Rund um das Wasser wuchs Schilf; es gab nur einen einzigen Einstieg – und der war nicht einfach, einer von der steilen Sorte. (Oh je. Einspringen und dann das Wasser nicht annehmen? Ich sah`s schon vor mir.) Es fiel ein Schuß und dann flog ein Dummy ins Wasser. Nach Freigabe durch den Richter durfte der Hundeführer den Hund ins Wasser schicken (“Hörst Du auch gut zu, Maus?”). Hatte der Hund das Dummy und befand sich auf dem Rückweg - aber noch im Wasser – fiel ein zweiter Schuß und ein Dummy auf die Wiese ein gutes Stück vor das Schilf, Fallstelle nicht sichtig.
Tja, unsere erste offizielle Handlung nach der Anmeldung war also bei dieser Aufgabe sicherzustellen, dass wir den Workingtest nicht würden bestehen können: Der Schuß fiel, das Dummy flog, es machte Platsch, Jamie wartete kurz, aber als dann keine Freigabe kam, entschied sie, dass das jetzt aber lange genug war und sprintete los
. Naja. Keine Überraschung. Der steile Einstieg schreckte sie dann aber doch. Fiepend stand sie vor dem heiß ersehnten Wasserapport. Und kam zurück zu mir gerannt.
“Nein”, sagte ich, “Du hast entschieden, dass Du`s allein machst, also mach` es jetzt auch.”
“Na gut”, sagte die Maus. “Wenn Du mir nicht helfen willst, mach` ich`s eben ohne Dich.” Sprach`s und kroch regelrecht auf allen vieren den steilen Abhang hinunter ins Wasser hinein. Dann war sie drin, holte sich das Dummy, markierte auf dem Rückweg noch rasch Dummy Nr. 2, brachte mir ohne Schütteln Dummy Nr. 1, konzentrierte sich hervorragend Richtung Dummy Nr. 2, lief auf Kommando los, suchte, fand brachte…
“Ein toller Hund”, sagte der Richter, als ich – anders als wohl manch anderer Hundeführer bei dieser Aufgabe – Dummy Nr. 2 in Händen hielt. “Schade.” Ja, so ist das.
Ich fand`s aber ok; dass wir an diesem Punkt – Standruhe am Wasser – noch arbeiten müssen, ist ja bekannt.
Richtig, richtig peinlich, zum in den Boden versinken peinlich, fand ich unseren Auftritt bei der nächsten Aufgabe.
Aufgabe 3 bestand aus zwei Einzelmarkierungen auf einer Wiese: Schuß, Dummy fliegt, Hund wird geschickt. Und dann noch einmal, nur an anderer Stelle:
Das Gelände war nicht unbedingt einfach, aber auch nicht so schwer, dass die Markierungen für die Anfängerklasse zu schwer gewesen wären. Jamie markierte das erste Dummy ganz hervorragend.
“Sie lief ganz gerade zu Dummy”, sagte der dänische Richter hinterher in seinem sehr dänischen Deutsch leicht verzweifelt. “Aber ich denke, was passiert dann?”
Ja, was passierte dann? Jamie, die also punktgenau markiert hatte, schnappte sich das Dummy, aber anstatt es wie üblich mir zu bringen, rannte sie damit zum Helfer. Ok, dachte ich, sie macht einen Bogen. Passiert ja mal. Sie kommt bestimmt gleich. Aber nein, die Maus legte das Dummy ab (!) und jagte ohne Dummy weiter über die Wiese. Nachdem sie eine Weile wild umher “gehuntet” hatte, fiel ihr ein, dass dies eine günstige Gelegenheit sein dürfte, um einem dringenden Ruf der Natur nachzukommen. Naja, was drückt, das drückt, und was kann die Maus schon dafür, dass es eben nicht bei unseren Lösespaziergängen vor der Prüfung gedrückt hatte, sondern eben gerade jetzt? Gar nichts. Mein Fehler, dass ich ihr nicht vor der Aufgabe noch einmal die Gelegenheit gegeben hatte. Tja, nachdem sie sich direkt vor dem Helfer – tut mir leid, junger Mann – erleichtert hatte, tobte sie sich noch ein bißchen auf der wilden Jagd nach weiteren Fallstellen über die Wiese aus, bevor sie über das von ihr selbst zuvor abgelegte Dummy stolperte und es mir dann doch noch brachte. Mit ein bißchen Druck meinerseits. Markierung Nr. 2 lief dann besser, aber, naja, so richtig direkt war auch dieser “direkte Rückweg” mit Dummy nicht…
“Hund hat Spaß”, sagte der dänische Richter noch. Mit fünf (Gnaden-)Punkten waren wir bei dieser Aufgabe noch sehr gut bedient; ich persönlich hätte mich angesichts dieser – im wahrsten Sinne des Wortes – Sch…-Team-Leistung auch über eine weitere Nullrunde nicht beschwert.
Auf zur nächsten Aufgabe, der offiziellen Aufgabe 4, unserer dritten Aufgabe. Mal wieder Wasser…:
Startpunkt war an Position P1. Dort stehend blickte man auf hangabwärts auf einen Teich, in den nach einem Geräusch aus einem Entenlocker ein Dummy fiel, das der Hund nach Freigabe arbeiten durfte. Auch hier müssen Jamie und ich uns noch über die genaue Bedeutung des Wortes “Freigabe” unterhalten… Ansonsten machte sie ihre Sache gut. Auch das anschließende Frei-bei-Fuß den Hang hinauf zu Position P2, von wo aus man eine beschossene Markierung in sicherlich gut 50m Entfernung auf die andere Seite eines Zaunes beobachten konnte, war ok. Die Markierung arbeitete Jamie, diesmal tatsächlich nach erfolgter Freigabe (es war ja aber auch kein Wasser mehr im Spiel) sehr schön und schnell und lernte dann auch noch, um es mit der Richterin Anja Helber zu sagen, dass man auch durch einen Zaun zurückkommen kann. Der Zaun bot für die Hunde übrigens genug Platz, um zwischen dem unteren Stück Draht und dem mittleren Stück Draht hindurchzuschlüpfen; Sprünge waren nicht gefordert.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Dame dann auch genug Dampf abgelassen und konnte zwischen den Aufgaben auch mal entspannen, was sowohl ihr als auch mir ganz gut tat.
Die nächste Aufgabe, offizielle Aufgabe 5, war interessant weil nicht unbedingt alltäglich: Nel Barendregt, die niederländische Richterin, hatte eine Vielzahl von Dummies in einen schmalen, sehr hoch und dicht bewachsenen Streifen wilder Wiese entlang eines Weges auslegen lassen. “Wir hatten dort drüben” erklärte sie vor der Aufgabe und zeigte hinter sich auf die Felder “gerade eben eine Fasanenjagd. Einige angeschossene Fasane habe sich nun hierher in diesen Wiesenstreifen geflüchtet. Und Ihr müsst sie finden.” Soweit die jagdnahe Theorie hinter der Aufgabe.
Der Bewuchs war so hoch und dicht, dass man selbst direkt daneben stehend kein Dummy sehen konnte. Der Wiesenstreifen wurde auf der einen Seite durch den Weg, auf der anderen durch einen Zaun begrenzt. Was Nel nun sehen wollte, war Teamwork, so ihre Worte. Sie wollte, dass der Hund kleinteilig, Stück für Stück und sehr genau den Wiesenstreifen langsam durchsuchte und dabei möglichst kein Dummy überlief. Er sollte dabei mit seinem Führer in Kontakt bleiben; auf das Zusammenspiel kam es ihr an. Man durfte dementsprechend als Führer alles sagen, tun und machen, was man für richtig hielt, insbesondere wollte sie wohl sehen, dass man sich mit dem Hund gemeinsam langsam auf dem Weg entlang bewegte. Negativ bewertete Nel wohl insbesondere, wenn Hunde statt der konzentrieren kleinflächigen Suche mit Power durch das Suchengebiet preschten und dabei ihren Hundeführer hinter sich ließen, auch wenn sie damit Dummies fanden und brachten.
Ich schickte Jamie mit dem üblichen “Such” in das Gebiet hinein. Und während die großflächige Frei-Verloren-Suche ja etwas ist, das wir ganz besonders langsam aufbauen mussten, weil Jamie das selbständige großflächige Suchen erst lernen, und ja, auch weiterhin noch lernen muss, machen ihr kleinflächige Suchen ja viel Spaß. Der Richterin gefiel wohl, wenn ich sie richtig verstanden habe, der ruhige, konzentrierte und genaue Suchenstil, den die Maus an den Tag legte. Und, ja, die Prinzessin grub Dummies noch aus den Untiefen der Wiese aus und zerrte und zog mächtig, bis die Dinger endlich aus ihren Löchern kamen. Sie hatte sichtlich Spaß an der Sache. 17 Punkte gab es dafür.
Der Höhepunkt unseres Tages kam zum Schluß. Für uns stand zuletzt noch die zu Beginn ausgelassene Aufgabe 1 an, eine Doppelmarkierung:
Die Aufgabe beim dänischen Richter Johnny Henriksen fand in einem mit kurzgemähtem Rasen bedeckten Parkgelände statt und begann bei Position P1 mit einem Frei-bei-Fuß bis zur Position P2. Dort angekommen fiel zunächst Schuß 1 und ein Dummy 1 hinter einen Baum in den Bewuchs rund um den Baum. Gleich darauf wurde erneut geschossen und Dummy Nr. 2 fiel in einen Baumkreis hinein. Die Entfernungen waren nicht kurz, aber auch nicht so weit wie bei Aufgabe 4. Die Schwierigkeit beider Markierungen bestand in der Flugbahn. Die war nämlich kaum zu sehen. Ich selbst habe Dummy Nr. 1 überhaupt nicht fliegen sehen; für mich war das grüne Dummy vor dem dunklen Hintergrund der Bäume nicht zu erkennen. Dummy Nr. 2 flog zwischen den Bäumen hervor und seine Flugbahn war nur ganz kurz zu sehen, bevor es auf dem Boden aufschlug. Wie schwierig gerade diese zweite Markierung war, war an den Hunden zu sehen, die sie eben schlichtweg nicht markierten.
Die Reihenfolge, in der die Markierungen nach Freigabe durch den Richter (bei Landaufgaben ja für uns bisher kein Problem) gearbeitet wurden, war jedem selbst überlassen. Man musste die geplante Reihenfolge auch nicht ansagen. Und so überließ ich es Jamie, welches Dummy sie zuerst holen wollte, und schickte mit einem einfachen “Apport” ohne Richtungsangabe. Sie entschied sich für Dummy Nr. 2, donnerte voller Elan los, dass die Dreckklumpen flogen (sie sieht dabei soooo süß aus; sogar die Helferin musste kurz kichern), machte eine kurzen Bogen um die Baumgruppe herum am Helfer vorbei und fand und brachte das Dummy schnell. Sogar der Rückweg, der ja in der Regel eher gemächlich vonstatten geht, wurde im Galopp zurückgelegt
Als sie zurückkam, hatte ich mich schon in Richtung der zweiten Markierung aufgestellt, und die Maus parkte auch sehr schön ins Fuß neben mir ein. Dummy abnehmen, Hand noch vorne nehmen, konzentrieren und schicken war alles eins. Und dann rannte sie los und schnappte sich auf geradem Weg das Dummy, brachte es zurück und… “Nice job”, sagte der dänische Richter. 19 Punkte gab das. Und eine sehr, sehr stolze Hundeführerin.
Punkte: 19 – 0 – 5 – 0 – 17
Ergebnis: n.B.
Fazit: Wir haben einen schönen Tag gehabt, bei dem wir einige Erfahrungen sammeln konnten und mit dessen Ergebnis wir wirklich zufrieden sein können. Beide müssen wir noch besser lernen, mit den verschiedenen Aufgaben und Situationen und der Atmosphäre auf so einem Workingtest umzugehen, damit wir auch dort als Team noch besser funktionieren. In diesem Jahr möchte ich also gerne zwecks weiteren Erfahrungs-Sammelns an noch zwei, drei weiteren Workingtests teilnehmen.
Und für das nächste Jahr streben wir dann das Bestehen unseren ersten Anfängerworkingtests an.







Sonntag, 21. Juni 2009 14:42
Jamie, wir sind sehr stolz auf Dich! 17 und 19 Punkte! Das ist doch super toll f
Sonntag, 21. Juni 2009 18:34
Vielen Dank f
Montag, 22. Juni 2009 11:46
Hallo Kathrin, sch
Montag, 22. Juni 2009 12:46
Ihr Lieben,
das scheint ja wirklich ein aufregender und lehrreicher Tag gewesen zu sein! Und die Richterkommentare sind super: "toller Hund", "hat Spa
Montag, 22. Juni 2009 19:51
Danke!
@Stephanie: Klar darfst Du die Aufgabenbeschreibung benutzen!
@Miriam: Du hast sooooo recht; es ist viiiiel sch
Mittwoch, 21. März 2012 12:20
[...] eine Idee) und so ist meine Erfahrung auf diesem Gebiet äußerst beschränkt. Immerhin haben wir`s bei den Nordlichtern unter dem wachsamen Auge von Nel Barendregt mal gemacht; das war schön und hat dem Glücksdrachen [...]