Montag, 28. September 2009 9:56
Folgende Antworten auf diverse offene Fragen gab`s bei unserem zweiten Workingtest-Start:
Frage: Gab es Wasser auf dem Gelände?
Antwort: Ja, schon.
Frage: Blieb der kleine, weiße Poppes auf dem Boden bei der Wasseraufgabe?
Antwort: Ein ganz entschiedenes “Nein” - die kleinen, weißen Pfötchen zuckten, das kleine, schwarze Näschen ruckte und der kleine, weiße Poppes hob sich. Allerdings war ich diesmal schneller als die Maus und hatte sie gepackt, bevor sie erfolgreich ins Wasser stürzen konnte… Trotzdem lautet die Antwort natürlich: Nein.
Frage: Blieb der kleine, weiße Poppes bei den Aufgaben ohne Wasser am Boden?
Antwort: Jein. Die Antwort auf diese Frage hängt eng zusammen mit der nächsten…
Frage: Wurde aus der Line gearbeitet?
Antwort: Ja. Und ich hatte recht - es war ein einziger Horror.
Letzte Frage: Konnten wir zwei trotz WT-Atmosphäre entspannen?
Antwort: Hm. Für mich gilt: nach den ersten beiden Aufgaben (0 und 17 Punkte) schon; die Maus erst am Nachmittag. Zu Beginn war sie unglaublich aufgedreht, sowohl in als auch zwischen den Aufgaben; zum Ende des Tages hin dann nur noch in den Aufgaben. Beim Arbeiten war sie bis zuletzt hochangespannt.
Von den sechs gestellten Aufgaben haben wir vier (!) mit 0 Punkten abgeschlossen - alle aus einem einzigen Grund: Standruhe. Oder vielmehr deren Mangel
.
Wir begannen früh am morgen mit der Anmeldung im Gelände und der Gruppeneinteilung. Ein bißchen Pech gehört ja auch immer dazu und so starteten wir gleich als erstes mit der Arbeit aus der Line, noch dazu als zweiter Hund. Die Aufgabe (offizielle Aufgabe 2) …

… erforderte, dass zwei Hunde nebeneinander in der Line standen. Es fielen nacheinander zwei Markierungen mit Schuss ca. im 90° Winkel. Dann durfte auf richterliche Freigabe hin zunächst Hund 1 auf Markierung 1, danach Hund 2 auf Markierung 2 geschickt werden. Im Anschluss sollten beide Hunde dann tauschen und die jeweils andere Fallstelle arbeiten. Jamie saß brav, während die Schüsse und die Dummies fielen. Sie sah, einigermaßen entsetzt, aber immerhin sitzend, zu wie Hund Nr. 1 neben ihr auf Mark Nr. 1 geschickt wurde - aber nachdem er 10 Meter weg war, entschied sie, dass es nun reichte. Zack. Weg war sie. Und genauso schnell hatten wir unsere ersten 0 Punkte des Tages.
Unsere zweite (offizielle dritte) Aufgabe bestand in einer Einzelmarkierung. Die Schwierigkeit lag hier im Gelände; die Markierung fiel in eine Insel aus dichtem, struppigem Bewuchs, die von den meisten Hunden zunächst einmal umlaufen wurde, bevor sie sich an die Fallstelle heranarbeiteten. Richter Detlef Henrich wollte sehen, wie die Hunde möglichst selbständig arbeiteten, also so wenig Hilfestellung wie möglich. Na, da bestand keine Gefahr; ich würde mich hüten, die Maus in der Distanz auf einem Workingtest herumpfeiffen zu wollen… das kann eh` nur schief gehen.
War aber auch gar nicht nötig. Jamie ging schnell heraus, drehte wie die meisten Hunde vor dem dichten Bewuchs ab, zog in schönem Arbeitstempo ein paar Kreise um die Fallstelle, arbeitete sich rasch nahe an das Dummy heran, nahm Tempo heraus, als sie Witterung bekam, und hatte dann auch schnell gefunden. Zwar nicht punktgenau markiert, aber für das schöne Heransuchen und die gute Arbeit gab`s ein dickes Lob vom Richter und 17 Punkte.
Anschließend ging`s weiter zur offiziellen Aufgabe 1, unserer dritten Aufgabe. Die bestand aus zwei Einzelmarkierungen.

Das Gelände bestand aus einer nicht soooo wahnsinnig breiten Sandkuhle; an drei Seiten ringsum erhob sich ein Plateau, das mit Bäumen und Sträuchern bewachsen war. Zur vierten Seite hin war die Kuhle offen und führte auf ein ebenfalls mit Bäumen und Sträuchern und Gras bewachsenes Gelände hinaus. Man stand an Position P und es fiel zunächst ein Schuss und eine Markierung auf die Anhöhe auf der gegenüberliegenden Seite. Nach Freigabe war diese Markierung zu arbeiten. Viele Hunde, gerade schnelle Hunde, überliefen hier die Markierung und suchten viel zu weit in der Tiefe (das dort liegende, dicht mit Bäumen bewachsene Gelände, zog auch ganz gut). In so einem Fall ist es schon ganz gut, wenn der Hund nicht zu schnell für seine Nase ist - so wie Jamie. Die Markierung hatte sie sofort, musste dann aber noch rasch - statt auf geradem Weg zurück zu mir - beim Helfer vorbeischauen, um zu überprüfen, ob mit ihm (er hatte sich im Gelände versteckt) auch wirklich alles in Ordnung war. Sehr nett von ihr, kostete uns aber leider ein paar Punkte. Halb so wild.
Markierung Nr. 2 fiel dann in den Hang zur offenen Seite der Kuhle hin; der Schuss fiel erst, als das Dummy schon den halben Flugweg hinter sich hatte. Auch diese Markierung bereitete der Maus keinerlei Probleme. 15 Punkte gab es insgesamt bei dieser Aufgabe.
Wir machten weiter mit der offizielle Aufgabe Nr. 5 - Wasser, oh je.

Das Wasser war ein ziemlich flacher, mit Schilf bewachsener Tümpel. Aber die Menge macht`s bei der Maus ja auch nicht… Hauptsache Wasser. Es fiel eine Markierung mit Schuss, die nach Freigabe zu arbeiten war. Auf dem Rückweg gab es erneut einen Schuss und eine Verleitmarkierung fiel ebenfalls in den Tümpel hinein. Nach Abgabe des Dummies Nr. 1 beim Hundeführer durfte der Hund diese zweite Markierung arbeiten. Dazu kamen wir leider nicht mehr. Ich hatte ja irgendwie schon gehofft, dass das verstärkte Wasser-Standruhe-Training der letzten Wochen mehr Früchte getragen hätte; meine Hoffnungen schienen auch nicht so ganz unbegründet zu sein, denn beim Wasserseminar für Anfänger in Kevelaer war die Maus kein einziges Mal eingesprungen und Angelika hatte sich überrascht gezeigt, dass die kleine Dame bei den Nordlichtern bei beiden Wasseraufgaben eingesprungen war… Tja, so überraschend ist das manchmal, was in dem Köpfchen vor sich geht. Am Sonntag in Berkhof jedenfalls war ich vorbereitet und als die Maus vorwärtszuckte, zuckte ich abwärts und packte sie mir. Das gab natürlich erneut 0 Punkte - aber besser als ein mit Einspringen zum Erfolg kommender Hund
. Leider wurde uns die Verleitmarkierung dann nicht mehr gegönnt, schade.
Unsere vorletzte Aufgabe bestand aus einem 2er Walk-Up. Es fielen zunächst zwei Schüsse und zwei Dummies in ca. 10 bis 15 Metern vor die Line. Die Hunde sollten sitzen bleiben, während die Hundeführer die Dummies aufsammelten. Anschließend ging es mit dem Walk-Up weiter. Erneut fiel ein Schuss und ein Dummy, das vom linken Hund gearbeitet wurde. Dann wurde getauscht und das nächste Dummy vom anderen Hund geholt. Die Fußarbeit war so lala, naja, nicht sehr gut, aber wir hatten auch schon schlechtere Tage. Für ein paar Sekunden blieb die Maus auch sitzen, während ich zum Dummy marschierte, aber kurz bevor ich da war und es aufheben konnte, kam sie hinterher, jammernd: “Was soll daaaaaas denn?” Schade, weil sie das aus dem Training durchaus kennt, und durchaus auch sitzen bleiben kann, ja, das in der Regel auch tut. Aber nicht mit fremdem Hund und Schuss… 0 Punkte. Ach, Mäuschen.
Hochnotpeinlich dann noch die Aktion (eine dieser Art gehört wohl zu jedem unserer WT-Starts) bei der Markierung im Walk-Up - Jamie wartete schön auf die Freigabe, suchte in anständigem, schönen Tempo, aber ziemlich weiträumig im hinteren Bereich des Geländes, als ein Schuss auf der anderen Seite des Hügels erklang. Es dürfte noch ein Platschen gefolgt sein (das habe ich von meiner Position weiter weg nicht gehört), denn der Kopf zuckte hoch, der Hund startete durch - und war verschwunden. Bis ich verstanden hatte, dass da hinten direkt auf der anderen Seite die Wasseraufgabe lief und meine Hundine gerade im Begriff war, wenn sie schon das eine Dummy nicht fand, dann doch wenigstens das andere (als Wassermarkierung sowieso viel interessantere) Dummy zu holen, dauerte es einen Moment. Bis ich verstanden hatte, dass kein Zaun, kein Hindernis und nichts sie daran hindern würde, dauerte es noch einen Moment länger. Dann holte ich sie zurück - an dieser Stelle eine dicke “Entschuldigung” an Wer-Auch-Immer mit seinem Hund da hinten die Wasseraufgabe eigentlich hatte arbeiten wollen
.
Richtig schade waren die 0 Punkte bei der letzten Aufgabe, die erneut an der Sandkuhle von Aufgabe 1 (unserer dritten Aufgabe) stattfand. Diesmal stand man an der offenen Seite der Kuhle…

… an der Position P. Es fiel ein Schuss und ein Dummy wurde vom Plateau herunter auf die gegenüberliegende Seite in den Hang geworfe. Dort rutschte es noch ein Stück den Hang im Sand hinunter. Wenn es still lag, durfte man den Hund um 180° umdrehen und ihn dann in das dort liegende Suchengebiet schicken. Im Gebiet lagen 10 Dummies, von denen man 3 holen sollte. Sie lagen wohl recht dicht beieinander. Nachdem die Suche abgeschlossen war, musste man den Hund erneut um 180° drehen und nun auf die Markierung schicken.
Jamie markierte aufmerksam und ließ sich sehr schön in die Suche schicken. Obwohl es die letzte Aufgabe des Tages war und wir geschlagene zwei Stunden darauf hatten warten müssen, in denen das Mäuschen und ich gemütlich in der Wartezonen dösten, hatte sie ein wirklich flottes Arbeitstempo drauf und fand ihre Dummies schnell. Für Dummy Nr. 3 verließ sie kurz das Suchengebiet, arbeitete sich aber schnell und ohne Hilfestellung wieder zurück in das Gebiet. Kein Herumgeschnüffel, kein Fragen, gute Arbeit. Nach der Suche schickte ich sie auf die Markierung - und die hatte sie punktgenau. Sie ging gerade hinaus und nahm sie ohne jedes Suchen auf. Lob von der Richterin Petra Behringer; das hat die Maus sehr schön gemacht. Detlef Henrich, der zu diesem Zeitpunkt seine Richtertätigkeit schon beendet hatte und nur noch die Aufgabe der anderen beobachtete, meinte zum Mäuschen, es sei doch sehr schön zu sehen, dass auch unter den Showies Hunde gibt, die gerne und zügig arbeiten. Ein schönes Lob also. Trotzdem 0 Punkte. Und warum? Tja, beim Wegdrehen von der Markierung hin zur Suche hat die Maus gefiept
. Auch das ein Standruhe-Problem.
Allerdings kann ich ihr da nicht so recht böse sein. Sie war zu diesem Zeitpunkt, so gegen 16.30 Uhr, schon völlig geschafft und müde. Der Drang die Markierung arbeiten zu wollen, war einfach zu hoch. Und den Druck musste sie ablassen.
Punkte: 15 - 0 - 17 - 0 - 0 - 0
Ergebnis: n.B.
Fazit: Wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass unser großes Handicap tatsächlich die Standruhe ist und dass sich dieses Problem nicht auf die Wasserarbeit beschränkt. Dieses Problem zu beseitigen wird einiges an Zeit und Training brauchen. Vor allem braucht es im Training erhöhte Reize - sitzen bleiben, während so ein simples, unbeschossenes Mark fällt, ist ja kein Problem. Vielleicht helfen ja die vorhandenen Brottüten - und ein ziemlich großer Reiz wäre ja auch noch die vor den Augen der Maus arbeitende Kumpeline Ruby
. Wichtig ist es jedenfalls allemal - was nützt es, wenn das Mäuschen jede Markierung hervorragend arbeitet, wenn dieses absolute Grundelement - sitzen, sitzen, sitzen - im wahrsten Sinne des Worten nicht sitzt? Trotzdem hat es wieder viel Spaß gemacht. Am Ende des Tages waren wir beide aber auch sehr erledigt; zum ersten Mal habe ich erlebt, wie die Maus freiwillig und ganz ohne Aufforderung in den Kofferraum sprang, kaum dass die Klappe aufging. Ein Zeichen dafür, wie erschöpft sie war.